Wer die Wahl hat, hat die Qual, diese gilt nicht nur in Österreich sondern auch in SA. Am 22. April werden die 4. freien Parlaments und Provinzwahlen seit Ende der Apartheid 1994 stattfinden.
Die dominierende Stellung des ANC(African National Congress) dürfte nicht in Gefahr sein. Der ANC ist die Partei der Schwarzen. Sie wurde 1944 mit dem Ziel der Abschaffung der Apartheit gegründet. Gründungsmitglied war ein gewisser Nelson Mandela. Er ist nach wie vor der Hero und hat eine Sonderstellung. Er war der erste Präsident SA’s und regierte zwischen 1994 und 1999.
Sein Nachfolger Thabo Mbeki erzielte 2004 ein Rekordergebnis mit über 70% der Stimmen für den ANC. Weiters regiert der ANC 7 der 9 Provinzen. Alle übrigen Parteien sind weit abgeschlagen dahinter. Das politische Maß der Dinge ist der ANC. Nun dürfte die Wähler der Umstand, dass es mit SA nicht gerade aufwärts geht, nicht wirklich zu stören. Den Meinungsumfragen folgend hat niemand eine wirkliche Chance gegen den ANC.
Wir haben den Eindruck, dass ganz SA mit Plakaten zugeklebt ist. Von den Plakaten (in der Größe der Plakatständer und nur mit der Parteibezeichnung, aber ohne Namen) lachen einem verschieden Personen entgegen. Eine Kandidat fällt nicht nur durch sein hinterlistiges Gegrinse auf, sondern auch durch den Umstand auf, dass gut 7/8 der Plakat sein Konterfei trägt . Der Herr heißt Jacob Zuma und ist Spitzenkandidat des ANC. Seine Person ist nicht unumstritten. Abgesehen von Omnipräsenz in den Zeitungen, an den Plakaten und bei Propagandaumzügen seiner Fans gab er erst kürzlich äußerst kontroversielle Statements von sich.
Unlängst hat er verlautbar, dass unter den weißen Südafrikanern die Afrikaner (Afrikaans sprechenden SA) die einzigen wahren Südafrikaner sind. Die andern freuen natürlich solche Aussagen ihres vermutlich künftigen Präsidenten.
„Der ANC wird regieren bis Jesus kommt“ ist ein weiteres Highlight von Herrn Zuma.
Die Weißen sehen die politische Entwicklung mit Sorge. Politisch haben sie nicht wirklich einen Einfluss und ihr Leben wird zunehmend schwieriger. Die Sicherheitslage verschlechtert sich zusehends. Der schlechte Zustand der Straßen und der öffentlichen Gebäude ist ein weiteres sichtbares Zeichen, dass es bergab geht. Die kürzlich eingeführte Visapflicht für Südafrikaner innerhalb des Commonwealth tut vielen, insbesondere Unternehmern und Studenten, sehr weh. Diese wurde eingeführt, nachdem unhaltbare Zustände bei der Passausgabe lange gerügt und nicht abgestellt wurden. Daraufhin wurde die Visapflicht eingeführt.
Oftmals wurde uns von Südafrikanern erzählt wie toll es vor 1994 hier ausgesehen hat und die jetzt alles den Bach runtergeht. Auch wenn wir selbst den Vergleich nicht haben, so scheinen ihre Erzählungen glaubwürdig. Wir haben auch schon einzelne (eine Minderheit) getroffen, die der Meinung sind, dass der Weg unaufhaltsam war, und es halt ein Zeitl (2-3 Generationen) dauern wird, bis sich alles (zum Guten) eingespielt hat.
Wir sind mit einem Farmer ins Gespräch gekommen, während wir auf unsere neuen Reifen für unser WOMO gewartet haben. Er hat uns erzählt, dass die laufend Leute erschossen werden. Unlängst wurden 2 Touristen in Betlehem umgebracht. Wenn wir die Zeitung lesen beschleicht uns auch das Gefühl, dass Gewaltverbrechern hier auf der Tagesordnung stehen. Der Farmer hat uns seine Pistole gezeigt die er am Fuß unter seiner Hose trägt. Viele, sowie auch er, hegen hier den Wunsch auszuwandern, sein Bruder hat das schon gemacht und lebt jetzt in Neuseeland. Sie haben jedoch auch das Problem, dass mit dem Verkaufserlös der Farmen nix auch nur annähernd gleichwertiges in Neuseeland oder vergleichbaren Destinationen zu bekommen ist. Die Angst, dass bei einer weitern Verschlechterung der Sicherheitslage manche Weiße im eigenen Land „gefangen“ sind, scheint sehr verbreitet.
Einer hat uns, als wir über unsere Reisepläne erzählt haben dazu gratuliert, dass wir jetzt gekommen sind. In ein paar Jahren wird nämlich alles den Bach herunter gegangen sei.
Eines ist uns jedoch auch aufgefallen. Politik ist ein Thema, das alle betrifft. Politikverdrossenheit, wie wir sie in Österreich kennen, scheint es in SA nicht zu geben. Wir sind auch schon gespannt was am 22. April passieren wird. Uns wurde geraten, an jenem Abend Großstädte zu meiden. Das werden wir sicher tun.
Mittwoch, 8. April 2009
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