Montag, 24. August 2009

Van Zyl´s Pass und Schock

Bericht vom 21.8.
Nach 2 Nächten an den Epupa Falls ging es weiter. Nach längerem hin und her überlegen haben wir uns entschlossen ein kleines Abenteuer zu wagen, nämlich die Überquerung des van Zyl´s Pass in Richtung Marienflusstal. Unser Auto schien dazu geeignet und die Überquerung ist der letzte Höhepunkt unserer Reise. Der Pass ist die schwierigste Offroad Strecke in Namibia und aufgrund der Steilheit praktisch nur von Ost nach West möglich. In Opuvo wurden dazu die Vorräte aufgestockt und die Tanks gefüllt. Zusätzlich haben wir noch einen Reservekanister eingepackt und so ging es los.
Die ersten 100 Km bis Etanga gingen ganz gut, doch dann ging es richtig los. Eigentlich ist alles gut gegangen, bis auf einen kleinen Ausrutscher der in einem Baum geendet hat. Der massive Vorbau des Land Cruisers hat das gut weggesteckt und mit dem Krauler sind wir auch wieder aus dieser Situation herausgekommen. Die knapp 30 Kilometer bis zur Campsite haben wir in 2,5 Stunden zurückgelegt und sind an einem traumhaften Platzerl (Site 1 von 3) über Nacht geblieben. Zuerst gab es kein Wasser, aber der freundliche Himba von der Site hat dann einen Generator angeworfen und 1 Stunde später gab es tatsächlich Wasser. Der Pass wird zumindest von einem Fahrzeug pro Tag befahren. Spannend für Eva und die Kids war ein Baobab Baum, der auch Früchte getragen hat, die auch am Boden zum Erkunden und Shop-spielen lagen. Nach einer Burenwurst aus Game, gegrillt am Lagerfeuer, sind wir ins Bett gefallen. Zuvor haben wir noch den überwältigenden Sternenhimmel hier im „Niemandsland bewundert. Noch ahnten wir nicht was am nächsten Tag bevorstand.
Nach dem Frühstück ging es dann los und der Weg wurde immer anspruchsvoller. Es war im Prinzip kein Weg sondern eine schmale Spur auf der auf vielen Stellen Steine für die Fahrspur von den „Vor uns Überquerern“ aufgeschlichtet waren. Es ging auf und ab und es wurde immer steiler. Der Motor hat aber schier undendliche Kraft und so wurde alles gut bewältigt. Doch dann kamen Passagen, die beim ersten hinschauen unpassierbar schienen. Eva hat eingewiesen und im Schritttempo wurden sehr herausfordernde Stellen gut genommen. Wir haben so schon Routine bekommen und haben uns Kilometer für Kilometer weiterhandelt. Sehr langsam, denn der Trak war schmal und der Abgrund nahe. Es ist beeindruckend welche Stellen dieses Auto schafft, manchmal war 1 Rad in der Luft und die 3 anderen haben sich total verwunden. Eva hat zwischendurch sogar Steine aufgelegt, um Stellen zu entschärfen. Nach 3 Stunden waren die 16 Kilometer geschafft wir standen am Fuße des Passes. Einen kurzen Stopp an einem Lookout hatten wir eingelegt, sonst waren wir immer in Bewegung. Nicht ohne Stolz haben wir uns ein Bier genehmigt und das gemacht was offensichtlich alle tun; nämlich einen Stein mit unseren Namen und dem Datum beschrieben und ihn zu den vielen anderen, die über die Jahre zusammengekommen sind, dazugelegt. Die Buben haben noch eigene Steine bemalt, bevor wir die übrigen 60 Kilometer durch das Tal Richtung Norden gefahren sind.
Im Camp Synro haben wir uns dann niedergelassen. Direkt vor uns ist der Kuene und dahinter ragen Berge steil empor. Der Verlockung in die Seichtwasserzonen entlang des Flusses zu baden müssen wir leider widerstehen. Es gibt sehr viel Krokos, die hier aufgrund des begrenzten Nahrungsangebotes besonders aggressiv sein sollen. Das Camp ist wie eine Oase und von unserem Platz aus können wir die Himba beobachten, wie sie Wäsche waschen und dabei singen oder ihre Tiere zum Trinken an den Fluss führen. Während die Tiere trinken werfen sie kontinuierlich Steine ins Wasser, offensichtlich um die Krokos zu vertreiben. Man kann ihren Respekt vor den Krokos deutlich erkennen.
Eigentlich schien alles perfekt und die Nacht war ruhig. Früh am Morgen musste Kris auf das WC und Jürgen ist mit ihm marschiert. Dann hat Kris eine Stufe übersehen und ist gegen einen Stein geflogen. Eine 3 cm lange klaffende, stark blutende Wunde auf der Stirn war die Folge. Alles war voller Blut. Sie ist bis zum Knochen tief und wir versuchten zuerst die Blutung zu stoppen. Mit einem Druckverband ist das auch gelungen, es war alles voller Blut und dann hat es Jürgen noch umgehauen und er ist gegen den Tisch geflogen, aber bald wieder aufgewacht. Eine namibische Familie, die neben uns campt und mit der wir am Vorabend noch ums Lagerfeuere gesessen sind, ist gleich zur Hilfe gekommen. Kris hat uns anfangs wirklich Sorgen bereitet, den die Wunde war tief und die nächste größere Ortschaft mit einem Arzt ist rd. 300 Offroad-kilometer entfernt, denn der van Zyl´s muss umfahren werden. Da Kris sich dann beruhigt hat und keine Symptome einer Gehirnerschütterung festzustellen, haben wir einmal leicht aufgeatmet. Er müsste dringen genäht werden, doch das geht hier nicht. Das Butterflypflaster, das wir für solche Fälle eingepackt hatten, muss irgendwo auf der Reise verloren gegangen sein. Wir haben seine Wunde dann trotzdem versucht nach bestem Wissen und Gewissen zusammenzukleben und zu fixieren. Danach haben wir beschlossen noch einen Tag zu bleiben, den die Erschütterungen einer mehrstündigen Fahrt sind heute sich nicht das Richtige führ ihn. Er war dann auch für ein Stück Schoko zu begeistern und so haben Kris und Jürgen am Boden liegend noch einige Zeit gerastet, bis die Lebensgeister wieder zurückgekehrt sind. Mal sehen wie die Narbe wird, doch scheint er es gut überstanden zu haben und die Buben spielen gerade mit den Nachbarbuben Playmobil. Wir werden heute den Schock verdauen und einen gemütlichen Tag verbringen, denn schön ist es am Marienflusstal nach wie vor. Die Himba kommen mit ihren Tieren an den Fluss und so gibt es immer etwas zu beobachten.

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