Über Schotterstraßen in mehr (wo der Greder gerade gefahren war) oder weniger gutem Zustand ging es weiter in Richtung Seeheim. Da ist so eine Mini Ortschaft mit einem Hotel. Dieses wechselt laufend den Besitzer, denn in Seeheim sagen sich Fuchs und Haase Gute Nacht. Dort sind wir dann wieder auf eine Asphaltstraße gebogen, die nach Lüderitz führt. Dabei ist uns das passiert, was hier ziemlich ins Auge gehen kann und wir im letzten Bericht thematisiert haben, wir haben nicht rechtzeitig getankt. Laut unserer Karte sollt in einem Miniort ca. 110 Kilometer vor Aus; dem Ziel dieses Tages, ein Tankstelle sein. Dem war aber nicht so und wir haben uns auch gespart nachzufragen, denn unser Boardcomputer hat eine Reichweite von 165 km angezeigt. Die Anzeige am Computer hat sich aber während der Fahrt kurzfristig verändert. Auf halbem Weg war die Reichweite nur mehr 56 km. Wir haben dann die Fahrtgeschwindigkeit drastisch reduziert und die Klimaanlage abgeschaltet. Die Anzeige wurde immer unangenehmer und zuletzt wurden Bergabpassagen nur mehr rollend zurückgelegt. Auf den letzten Kilometern gab es mehr Spannung als uns lieb war. Die Tankstelle wurde doch erreicht und bei einem 70 Liter Tank passten 68 Koma irgendwas Liter hinein. Großes Durchatmen!
Die von uns ausgewählte Campsite war voll besetzt, da derzeit nicht nur die Südafrikaner sondern auch die Namibier Sommerferien haben, und da wir nach den Schotterpisten und der Spannung nicht mehr in Fahrlaune ware,n haben wir die Campsite direkt im „Zentrum“ von AUS (wird von der Tankstelle betrieben und war vermutlich das frühere Mechanikergelände) bezogen. Wir waren nicht so begeistert, die Jungs waren aber aus dem Häuschen, denn der Sand-/Erdboden dort war für sie wie eine Riesensandkiste. Einen weiteren Vorteil hatte das Ganze auch noch, denn wir waren nicht weit vom „Bahnhof Hotel“ weg und so konnten wir noch unsere ersten (und sicher nicht die letzten) namibischen Fassbiere kosten. In Südafrika sind Fassbiere eine absolute Rarität, umso besser schmeckte das Bier. Die Kinder haben auch auf den Barhockern Platz genommen und waren schwer begeistert, als die im Fernsehen laufenden Musikvideos kurzer Hand durch den Kinderkanal ersetzt wurden.
Am nächten Tag haben wir uns die Wildpferde von Garup angeschaut. Mitten in der Wüste leben die Pferde nun schon seit ca. 100 Jahren. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts sind die damaligen Kavaleriepferde bei einem Bombenangriff ausgebüchst und haben sich an die kargen Verhältnisse in der Namib perfekt angepasst. Wir haben die Herden ausgiebig beobachtet und sind dann weiter nach Lüderitz gefahren. Die Fahrt dorthin ist sehenswert. Zuerst endlose lange Geraden und einigen Kilometer vor Lüderitz fährt man mitten durch Sanddünen. Kurz vor Lüderitz sieht man noch die Geisterstadt Kolmanskop und erreicht dann Lüderitz. Lüderitz machte einen ersten netten Eindruck. Die moderne Waterfront; von Deutschland finanziert, kommt zwar bei Weitem nicht an das Vorbild in Kapstadt heran. Das sich dort befindliche Seafood Restaurantt ist aber 1A. Bestens gestärkt haben die Jungs dann noch am Meer gespielt, bevor wir die auf einer Halbinsel vor Lüderitz befindliche Campsite aufgesucht haben; beste Lage direkt am Meer.
Lüderitz ist ein Ort voller Überraschungen. Das erst was einem bei einem Spaziergang auffällt sind die in Deutsch gehaltenen Straßenschilder. Es gibt beispielsweise die Nachtigalstraße, den Hohen Weg, oder die Ufer Straße. Viele Unternehmen haben deutsche Namen und in den Restaurants wird Eisbein und Wienerschnitzel angeboten. Die Namibische „Allgemeine Zeitung „ ist sehr beliebt, die seit über 90 Jahren in deutscher Sprache als Tageszeitung erscheint und mit der Auflage von 6000 Stück fast alle deutschsprachigen Namibier erreicht. Sie ist ganz lustig zu lesen. Die Gebäude in Lüderitz reichen von Jugendstilhäusern, über die typisch afrikanischen einfachen Häuser mit bunter Fassade bis zu Fabriksruinen, die von der Blütezeit von Lüderitz zeugen. Die Felsenkirche und das Goerke Haus haben wir heute auch besucht. An der Campsite ist neben dem Leuchtturm auch eine Gedenktafel an Adolf Lüderitz, dem Gründer und Namensgeber dieser Stadt. Diese ist natürlich in Deutsch und wurde von den Kaufleuten der Hansestadt Bremen gestiftet. Irgendwie fühlt man sich eher wie in einer Filmkulisse und wir haben uns mehrmals gedacht, dass das Ganze nicht wirklich wahr sein kann; hier im südlichen Afrika mitten in einer Sanddünenlandschaft. Ein ganz interessantes Detail haben wir noch in der Zeitung gelesen, nämlich dass ein Deutscher seit Dezember in Schubhaft sitzt und auf seine Anhörung wartet, ob er in Namibia bleiben darf.
Samstag, 4. Juli 2009
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