Die dritte Panne haben wir gut überstanden und unser Womo wurde wieder flott gemacht. Der Grund des ganzen Zirkus war ziemlich ärgerlich. Der Pluspol der Starterbatterie ist aufgrund eines Relais für die ganzen Nebenverbraucher mit einer Plastikhülle eingepackt. Diese wurde offensichtlich noch nie zuvor geöffnet bzw. der Pol geschmiert. Die ganze Halterung war extrem verrosten und ist oxidiert. Die Verbindung hat demnach keinen Kontakt mehr und wir konnten nicht starten. Ein Austausch war notwendig. Wir hatte anlässlich einer Zwischenwartung in Kapstadt noch extra gebeten die Starterbatterie zu überprüfen, nachdem die beiden Nebenverbraucherbatterien defekt waren. Es wurde bei der Zwischenwartung angeblich viel gemacht, aber das halt offenbar nicht!
Aber nun wieder zu den positiven Dingen. Aufgrund der Probleme mit dem Womo haben wir unsere Tour umgestellt. Im Moment möchten wir lieber nicht im Namibischen Niemandsland auf hunderten Kilometern Schotterstraßen herumfahren. So haben wir Keetmanshoop mit dem nahegelegenen Köcherbaumwald als nächste Station ausgewählt. Zuvor gab es noch einen Zwischenstopp in Kollmannskop. Das ist eine Geisterstadt in der Nähe von Lüderitz. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Diamanten frei herumliegend gefunden. Daraufhin wurde ein großer Streifen(ca. 1/2-te der Küste Namibias 100 km ins Landesinnere) zum Sperrgebiet erklärt. Firmen sammelten die Diamanten ein und es entstand ein unermesslicher Reichtum. Kollmanskop wurde Anfang 1900 inmitten der Wüste als Ausgangspunkt für die Diamantensuche gegründet. In die Infrastruktur ist Geld ohne Ende geflossen. Es wurde tolle Häuser, ein Turnhalle, ein riesiges Krankenhaus gebaut. Die modernste Eismaschine mit eigenem Elektrizitätswerk im Nahe gelegenen Lüderitz, und alle was zu dieser Zeit gut und teuer war wurde von Deutschland aus dort hin geschifft. Als der Abbau unrentabel wurde, wurde Kollmanskop verlassen. Die Häuser wurden einfach zugesperrt und standen so viel Jahrzehnte leer herum. Vor einigen Jahren, als sich Nachkommen für die Geschichte ihrer Vorfahren zu interessieren begannen fiel auf, wie gut eigentlich noch alles in Schuss war und man hat versucht dies touristisch zu nutzen. Inzwischen hat sich die Wüste wieder einen Teil der Bauten begonnen zurückzuholen, aber man kann das damalige – Deutsche – Leben erahnen. Es fallen einem immer wieder deutschsprachige Details auf, wie beispielsweise die Aufschrift „Gut Holz“ im Kegelklub, die „Fiebertafel“ im Krankenhaus, etc.
Übernachtet haben wir dann im Köcherbaumwald. Davor haben wir noch eine Gepardenfütterung miterlebt. Die mutige Eva hat sogar den Geparden gestreichelt. Jürgen wollte nicht und die Kinder durften nicht hinein – auch hier werden sie von den wilden Tieren eher als Nahrungsmittel gesehen. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang und Vollmondaufgang konnten wir noch den Köcherbaumwald inspizieren.
An nächsten Tag wurde dann noch die nahe gelegenen Steinsformationen besichtigt. Diese haben den treffenden Namen Spielplatz der Riesen. Sie sind ideal zum Klettern und zum gemeinsamen Figuren erraten. Der Naute Damm in der Nähe von Mariental ist der heute Übernachtungsplatz. Als wir bei der Reception eincheckten fielen uns aufgebrachte Touristen auf. Ihre Unterkunft wurde kurzfristig storniert, denn der Namibische Präsident hatte sich angesagt. Ersatz war offensichtlich nicht vorgesehen. Die Campsite ist kein Problem, denn im Unterschied zum Gadaffi ist der Namibische Präsident offensichtlich kein aktiver Camper. Weiterfahren durften wir jedensfalls noch nicht, eine freundliche übergewichtige Einheimische mit Maschinenpistole hatte die richtigen Argumente. Das hat aber gar nicht gestört, den vom Womo aus haben wir die Hubschrauberlandung samt Securityvorkehrungen und Begrüßungszeremonie aus dem Womo direkt beobachten und festhalten können. Wir mussten auch feststellen, dass der ‚Präsident nicht unweit von uns wohnt. Beim Erkundungsgang von Kilian und Jürgen wurde diese beim Schnitzen auf der einzig sauberen Bank der nahe gelegenen Bungalows bestimmt gebeten sich zu entfernen. Auf die Frage warum, war die Gegenfrage „ You ask why???“ Dies wurde von Jürgen bestätigt und dann die Auskunft erhalten, dass „his Excelency will be here“. Wir fühlen uns hier auf der Campsite außerordentlich gut bewacht. Die Security ist mit bloßem Auge erkennbar und von unserem Lagerfeueraus haben wir die „Präsidentensuite“ gut im Auge. Die zahlreichen umliegenden Bungalows sind nicht besetzt! Falls es jemand nicht weiß, der aktuelle Präsident von Namibia heißt: Hifikepunye Pohamba. Mal sehen was sich in staatlichen Angelegenheiten heute noch so tut.
Mittwoch, 8. Juli 2009
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