Am 22 April haben in ganz SA die 4. Wahlen seit der Wende 1994 (Ende der Apartheit) stattgefunden. Es war schon seit Beginn unserer Reise das ganz große Thema in SA. Der Wahlkampf war überall deutlich sichtbar. An zumindest jeder 2.Straßenlaterne und vielen Straßenschildern waren Wahlplakate angebracht worden. Von vorn herein war klar, dass der ANC eine große Mehrheit der Stimmen erhalten wird und der neue Präsident der Spitzenkandidat des ANC, Jakob Zuma, sein wird. Doch wurden bei dieser Wahl – wie bei den meisten Wahlen - einige Matches am Rande ausgetragen, die durchaus nicht ohne Einfluss auf die Zukunft von SA sein könnten. Zum einen ist der ANC gespalten. Seit der Wende gab es von dort vor jeder Wahl Versprechen, dass sich für die armen Menschen, das ist die große Mehrheit der schwarzen Bevölkerung, etwas zum Positiven verändern wird. 3 Mal ist bisher nix Nennenswertes von den Wahlversprechen eingetreten. Es geht dabei ja nur um so elementare Dinge wie die Grundversorgung der Kernwählerschaft, der schwarzen Bevölkerung, mit Wohnungen, Strom- und Wasser-, sowie der medizinischen Basisversorgung. Eine große Anzahl der Schwarzen ist HIV infiziert und die sanitären Zustände sind in diesen Wohnvierteln meist erbärmlich. Der ANC hatte die Aufgabe seiner Klientel abermals zu verhökern, dass es dieses Mal besser wird und eine Stimme für den ANC eine Stimme für Verbesserungen ist.
Der Wahlkampf, den der ANC geführt hat, war strategisch gut angelegt. Man hat sich von den bisher an der Macht befindlichen ANC Politikern distanziert und es so verkauft, dass mit Jakob Zuma und seinen Getreuen jetzt ein Neustart möglich ist. „Working together we can do more“ war die Devise, die im ganzen Land durchaus aufwendig unter die Leute gebracht wurde. Wenn man sich diesen Jakob Zuma genauer anschaut, dann fällt einerseits auf, dass er bis 2005 selbst in der Regierung war und andererseits er im Waffengeschäft aktiv war. Diesbezügliche Untersuchungen, die seit rd. 8 Jahren andauerten, kamen kurz vor der Wahl, unter undurchsichtigen Umständen zu keinem konkreten Schluss – und wurden eingestellt. Zuma wird dem extrem linken Lager zugeordnet und hat in seinem Wahlkampf jedem genau das versprochen, was er hören wollte. Details widersprechen sich dabei, sodass jetzt schon klar ist das so manches Versprechen notwendigerweise gebrochen werden wird.
Eine bekannte Zeitung hat jeweils vor den vorherigen Wahlen eine sehr arme Familie besucht und versucht, anhand ihres Schicksals die Veränderung durch die ANC Regierung für deren Kernwählerschicht zu dokumentieren. Diese Familie lebt in einem Zimmer „Appartment“ ohne Strom und Fließwasser. Die Mutter ist alleinerziehend und bei der letzten Wahl lebten noch 8 Personen in dem Haushalt. Mittlerweile sind es mehr. Zwar ist eine Ihrer Töchter an Aids verstorben, eine andere hat 3 Kinder von einem Mann, die alle samt eingezogen sind. Vor jeder der 3 letzen Wahlen ist ihr versprochen worden, dass ihre Behausung an Strom und Fließwasser angeschlossen werden wird. Bis dato ist noch nix passiert. Der Standard sinkt Zunehmens. Die medizinische Versorgung ist von sehr schlecht auf unter Null gesunken. In der lokalen Klinik kommt alle 2 Monate ein Arzt vorbei. Die lokale Aidsbetreuung ist mittlerweile unbesetzt. Auf die Änderung seit der letzten Wahl angesprochen, meint die Frau des Hauses „Die einzige sichtbare Veränderung seit der letzten Wahl ist jene, dass der ANC Gebietsbetreuer kurz nach der letzten Wahl ein neues Auto bekommen hat.“ Korruption ist dort kein Fremdwort und eine Frage ist wie lange der ANC seine Stellung noch halten kann und wann selbst die arme, schlecht gebildete schwarze Unterschicht dem ANC die Gefolgschaft bei den Wahlen aufkündigen wird.
Dieses Mal hat sie dem ANC wieder die Stange gehalten, doch scheint die Geduld durchaus enden wollend. Sollte es dem ANC wieder nicht gelingen etwas zu bewegen, und die Zeichen stehen aufgrund der Wirtschaftskrise schlecht, so könnte diese Wahl die letzte „gemahte Wies´n“ für den ANC gewesen sein. Die nebulosen Wahlkampfankündigungen stehen Großteils alleine da und konkrete Umsetzungspläne wie Wahlversprechen wurden bis dato nicht verlautbart.
Der ANC hat landesweit über 65 % erhalten, gefolgt von der Demokratic Aliance (DA)mit ca. 16 % (laut dem vorläufigen Ergebnis). In einer der 9 Provinzen, im Westkap (rund um Kapstadt) hat die DA sogar die Mehrheit der Stimmen erhalten. Dem gegenüber steht die Provinz Limpopo mit soliden 85% für den ANC.
Mit Spannung wird die Ministerliste vom Kabinett Zuma erwartet. Die Grundfrage ist ob er Fachleute oder ANC Gefolgsleute in die Schlüsselpositionen setzt. Sollte er sich für die Variante 2 entscheiden könnte dies für die Wirtschaft katastrophale Folgen haben. Ausländische Investoren würden sich vermutlich zurückziehen und der Abwärtstrend würde sich fortsetzten. Das hätte bittere Folgen für alle Bevölkerungsschichten.
Ein aus Simbabwe stammender Missionar hat mir neulich erzählt wie der Abstieg seines Landes von statten gegangen ist. Simbabwe war einst ein für afrikanische Verhältnisse wohlhabendes Land. Absolut mit SA zu vergleichen. Nach der Machtergreifung von Mugabe ist es 10 Jahre so weiter gegangen, bevor der rapide Abstieg begonnen hat. Mittlerweile ist die Wirtschaft völlig tot, die Weißen werden des Landes verwiesen und Seuchen und Hunger gehören zum Alltag. Eine gewisse Gefahr, dass es für SA früher oder später auch in diese Richtung gehen könnte ist nicht von der Hand zu weisen. Das wollen wir keinesfalls hoffen und würden uns wünschen, dass es in SA aufwärts geht und dieses Land auch in der Zukunft für Bewohner und Besucher eine so einzigartige Destination bleibt.
Sonntag, 26. April 2009
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